Hier anmelden!

Willkommen bei DNAdigital

Enterprise 3.0 Vision

Kopiert von: http://www.mindxuniversity.org/index.php/Enterprise_3.0_Vision

[[Image:Daimler Pferd.png]] Fotografiert im Daimler Museum.

Where's the beef? Über 200% Effizienzsteigerung bei Wissensarbeit!


Where's the beef? Das war die erste Frage des Strategie Managers eines der bekanntesten DAX 30 Unternehmen, als wir ihm unsere Enterprise 3.0 Vision erklärten. Er hat schon öfter die Buzzwords Web2.0, Enterprise 2.0, Wikinomics gehört, aber auf gut Deutsch: Wo sind die Milliarden?

Das Problem wenn man mit dem Beef beginnt ist, dass es so unvorstellbar viel ist und dafür zu einfach zu erreichen scheint. Enterprise 3.0 wird in großen Organisationen die Effizienz von Wissensarbeit um mehr als 200% steigern. Nicht 2% auch nicht 20% sondern 200%!

Wir folgen in diesem Artikel dem Rat des Strategie Managers, das Beef an den Anfang zu stellen, in vollem Bewußtsein des Risikos. In einem anderen DAX 30 Unternehmen war die Präsentation vor einem Research & Development Manager beendet, als die Folie mit den 200% erschien: "solche Aussagen sollten sie vermeiden, dadurch werden ihre Ausführungen nur unglaubwürdig".

Bisher hat noch keine große Organisation das Potenzial von Enterprise 2.0 (geschweige denn 3.0) erschlossen. Daher sind Aussagen bzgl. potentieller Effizienzsteigerungen natürlich grundsätzlich problematisch. Die "mehr als 200%" sind dennoch nicht einfach eine "Expertenschätzung". 200% Effizienzsteigerung wurden bei einem ganz konkreten Projekt im Umfeld des Amerikanischen Pentagon im Jahr 2008 schon bei einer relativ kleinen Gruppe erreicht.

Da der Nutzen der Kollaborationskultur und Technik aber überproportional mit der Anzahl der Teilnehmer steigt wird der Effizienzgewinn der Wissensarbeit in einem großen Unternehmen über 200% steigen.

Über 200% Effizienz Steigerung bei Wissensarbeit, wie ist das möglich?


Sprunghafte Effizienzsteigerung ist selten durch Optimierung gelebter Prozesse möglich. Dafür bedarf es eines sogenannten "Prozessmusterwechsels".

Prof. Kruse nennt hierfür in seinem Buch "nextpractice" den Fosbury-Flop als ein Beispiel. Im Hochsprung war durch Optimierung der bekannten Technik nur noch wenig mehr Höhe herauszuholen. Erst durch die Idee von Fosbury nicht mit dem Bauch sondern dem Rücken über die Latte zu springen, war das Potenzial nach oben plötzlich einen ganzen Sprung größer als vorher.

  • Sprunghafte Effizienzsteigerung läßt sich meist nur durch Prozessmusterwechsel erreichen

So ein Prozessmusterwechsel kann durch unterschiedliche Veränderungen in der Umwelt ermöglicht werden. Beim Hochsprung war es die Nutzung einer dicken Matte anstatt einer Sandkule um den Aufprall nach dem Sprung zu mildern. In der Sandkule hätte die Fosbury Technik zu Rückenverletzungen geführt. Die Matte war also eine notwendige technische Voraussetzung für das neue Prozessmuster.

  • Neue, bessere Prozessmuster werden durch signifikante Änderungen von bestimmten Teilen des Systems ermöglicht

Bei Wissensarbeit haben wir nun eine analoge Situation. Die Eigenschaften des Dokuments haben seit Jahrhunderten die Prozesse, Regeln und Organisationsformen bestimmt im Rahmen derer Wissensarbeit stattfindet. Das Dokument spielte und spielt eine zentrale Rolle, wenn es darum geht Wissensarbeit zu skalieren. Also darum ein Problem mit 1000 Menschen anstatt mit 5 Menschen effizient zu lösen.

  • Über 200% effizientere Wissensarbeit wird durch signifkante Änderungen der Eigenschaften von Dokumenten möglich

Obwohl wir von dem Potential schon seit langem überzeugt waren, ist es uns bisher nicht gelungen mit Kunden ein Projekt durchzuführen, bei dem man den Effizienzgewinn im Nachhinein sinnvoll hätte messen können. Zu den Gründen später mehr. Um so mehr waren wir von dem Erfahrungsbericht von Clarence Dillon begeistert, der uns bei einem Semantik MediaWiki Workshop 2008 in Bosten von seinem Projekt beim Pentagon erzählte.

  • Bisher waren Unternehmen schwer von den neuen Prozessmustern zu überzeugen, da es wenig übertragbare Erfahrungen gab und die Erfolge oft schwer messbar waren

Die Aufgabe von Clarence und seinem Team ist es zukünftige, wahrscheinliche Bedrohungsszenarien gegen die USA für das Pentagon zu entwickeln. Das Pentagon führt auf Basis dieser Entscheidungen Simulationen durch um herauszufinden, wie diesen Bedrohungen am besten zu begegnen ist. Die Ergebnisse werden verwendet um das Budget optimal auf die verschiedenen Truppenteile, Waffensysteme etc. zu verteilen.

Bei der Entwicklung dieser Zukunftsszenarien sind dutzende Experten für verschiedene Wissensgebiete, Länder, Religionen etc. beteiligt. Je mehr Menschen an der Entwicklung solcher Szenarien beteiligt sind, desto schwieriger ist es natürlich eine effiziente Form der Zusammenarbeit zu finden. Was nützt mir ein weiterer Experte, wenn es nicht mehr möglich ist dessen Meinung auch überall zu berücksichtigen wo es sinnvoll wäre? Mit jedem weiteren Experten dauert der Konsolidierungsprozess aller Meinungen überproportional länger.

Das schöne an diesem Beispiel ist, das es das erste Mal mit klassischen Mitteln, Word, Email, Dateiablage, durchgeführt wurde und das zweite Mal mit einem Semantik MediaWiki, eine Erweiterung der Plattform auf der die Wikipedia basiert.

Zum Ergebnis schreibt Clarence folgendes: The SSSP 2016 involved more people, fewer workshops, and was written in approximately 1/3 of the time as SSSP 2014


Der Input von mehr Leuten konnte in einem drittel der Zeit in die Szenarienerstellung integriert werden! Vom Prinzip Unterscheiden sich Strategie und Budget Prozesse in Unternehmen nicht von denen des Pentagon. Zukunftsszenarien werden entwickelt und bewertet, daraus werden Strategie und Budgetentscheidungen abgeleitet. Die neuen Prozessmuster werden auch in Unternehmen ähnliche Erfolge bringen. Dasselbe Ergebnis in einem drittel der Zeit zu erzielen ist ein beachtlicher Effizienzgewinn.

  • Neue Prozessmuster ermöglichen signifikante Effizienzsteigerungen

Bei vielen Aufgaben ist es aber für eine Firma noch viel entscheidender welche Effektivitätsgewinne erzielt werden können. Bei klassischen Kollaborationsformen und Medien kommen wir irgendwann an eine Grenze bei der es sich nicht mehr lohnt neue Experten zur Problemlösung hinzuzuziehen. Deren Meinung kann einfach nicht mehr sinnvoll integriert werden, ohne das der Prozess untragbar in die Länge gezogen wird. Unternehmen welche die neuen Prozessmuster verwenden können mehr Knowledgeworker auf dasselbe Problem ansetzen, und damit Probleme lösen bei denen sie ansonsten an deren Komplexität gescheitert wären. Es geht dann nicht mehr um schnöde Kosteneinsparung, sondern darum durch neuartige Lösungen entweder Marktführerschaft zu erlangen oder zu behalten.

  • Neue Prozessmuster ermöglichen Probleme zu lösen die bisher unlösbar waren

Entmystifizierung der Buzzwords: Web 2.0, Enterprise 2.0, Web 3.0, Enterprise 3.0, Wikinomics, aber worum geht es im Kern?


Um die eigene Firma zur Enterprise 2.0 oder 3.0 zu transformieren ist zunächst mal eine klare Vorstellung notwendig, was das denn ganz konkret bedeutet.

Als Dale Dougherty, ein Mitarbeiter von O'Reilly-Media, 2004 den Begriff Web 2.0 in die Welt setzte begegneten wir dem mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das Positive daran war, dass wir die Frage was wir eigentlich machen jetzt mit einem Wort beantworten konnten: "Web 2.0". Vorher wurde die Antwort zwangsläufig etwas ausschweifender.

Leider hatte dies auch einen Nachteil. Sowohl Enterprise 2.0 als auch Web 2.0 sind inzwischen ziemlich diffuse Marketing-Begriffe, womit die Aussagekraft schon fast wieder gegen Null geht.

[[Image:Web20en.png]]

Das Dillemma wird sehr schön von der "Web 2.0 Cloud" visualisiert. Unter Web 2.0 werden so viele Aspekte des neuen Web zusammengefasst, dass man fast an jedes neue IT Produkt und jede neue Internetplattform das Label Web 2.0 kleben kann. Auf dieser Cloud finden sich Technologien, kulturelle Aspekte, Architekturprinzipien, Methoden,...etc. in bunter Mischung.

Da die Definition von Enterprise 2.0 als "Web 2.0 im Unternehmen" letztendlich auf der Definition von Web 2.0 basiert, erbt sie auch dieses Problem. Das führt am Ende dazu, dass auch Microsoft Sharepoint ein gewisses Recht auf einen "Enterprise 2.0" Aufkleber hat, obwohl dieses Produkt die Prozessmusterwechsel die wir nachher beschreiben mehr behindert als fördert.

Diese unschärfe zwingt uns doch wieder eine eigene, sehr viel engere Enterprise 2.0 Definition einzuführen. Dies lohnt sich aber, da sich aus dieser Definition klare Massnahmen ableiten lassen und vor allem ersichtlich wird, warum sie mit Microsoft Sharepoint eben keinen Prozessmusterwechsel ermöglichen und auch keine Chance auf über 200% Effizienzsteigerung haben.

1968: Erfindung des Web 2.0 am Stanford Research Institute durch Douglas C. Engelbart


2006 organisierte die MFG Baden-Württemberg, Innovationsagentur des Landes, verschiedene Arbeitskreise zum Thema Web 2.0. Ziel war es Experten, Firmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammen zu bringen und auszuarbeiten wie aus dem Thema Web 2.0 Nutzen für die Wirtschaft gezogen werden kann.

Ein Dauerdiskussionspunkt dabei war, was eigentlich Web 2.0 im Kern ausmacht. Die Beteiligten setzten völlig unterschiedliche Schwerpunkte, je nachdem welcher Aspekt für das eigene Businessmodell, den eigenen Forschungsansatz etc. gerade relevant war.

In der Diskussion fiel uns auf, dass sobald wir versuchten uns auf bestimmte Aspekte zu fokussieren, es meist möglich war das Auftreten dieser Aspekte bis weit vor 2004, der Geburtsstunde des Begriffs Web 2.0, zurückzuführen. Immer gab es jemanden, der ein oder mehrere Beispiele aufführen konnte, die weit vor 2004 lagen.

Interessanterweise führte die konsequente Fortführung dieser Diskussion, direkt bis zur Erfindung des Internet selbst. Ans Standford Research Institute zu Douglas C. Engelbart.

[[Image:EngelbartWeb20.png]]


Douglas Engelbart demonstrierte 1968 das, was den armen Microsoft Word Benutzer noch heute an Google Docs&Spreadsheet fasziniert. Zwei Leute an unterschiedlichen Standorten arbeiten an einem Document, gleichzeitig. Man kann den Curser des Kollegen sehen, der die Änderung über die man gerade am Telefon spricht direkt an der richtigen Stelle einfügt. Keine Dokumente per Mail hin und herschicken, komische Kürzel an den Dateinamen hängen um die verschiedenen Versionen im Griff zu haben, verworrene Änderungshistorien analysieren etc.

Alle wesentlichen Konzepte von Web 2.0 wurden 1968 nicht nur erfunden, sondern auch schon prototypisch implementiert! Diese Erkenntnis führte uns zu einer ganz neuen Fragestellung. Wieso wirken sich diese längst bekannten Konzepte und Technologien erst im Jahr 2004 im freien Internet auf eine Art und Weise aus, die es rechtfertigte von "Web 2.0", einer neuen Generation von Internet zu sprechen? Wieso diskutieren wir JETZT über Enterprise 2.0? Großkonzerne verfügten spätestens ab 1990 über die notwendige Technologie, viel früher als die Privatleute im Internet, welche das Web 2.0 geschaffen haben.

Aktuelle Webtechnologie führt zu drei Paradigmenwechseln


Nun es wundert nicht, dass auch der Schlüssel zur Antwort auf diese Frage schon bei Engelbart zu finden ist:

The augmentation framework requires an effective integration of psychology and organizational development with evolving computing technology, such that advancements in each are informed by the other in a coherent system

Ganz richtig stellt Engelbart schon 1968 die Abhängigkeit der technologischen Entwicklung von der psychologischen und organisatorischen Entwicklung dar. Technologie und dazu passende Unternehmenskultur bedingen sich gegenseitig.

Obwohl diese Abhängigkeit inzwischen allgemein bekannt ist, kennen wir kaum ein Enterprise 2.0 Vorhaben bei dem diesem Punkt professionell und adäquat begegnet wurde bzw. wird. Dies liegt daran, dass es im Unternehmen kaum Personen gibt, die psychologische UND technologische Kompetenz besitzen. Oft machen wir sogar die Erfahrung, das Unternehmen die vom Grasswurzelansatz auf vom Management legitimierte und gewollte Enterprise 2.0 Transformation schwenken Manager damit beauftragen die weder adäquate technologische noch psychologische Kompetenz besitzen.

Auch macht es die schwammige Enterprise 2.0 Definition diversen Toolherstellern leicht die Situation auszunutzen. Es führt am Ende dazu, dass für viele Topmanager der Tagesordnungspunkt Enterprise 2.0 abgeschlossen ist, wenn flächendeckend Microsoft Sharepoint (oder wahlweise irgend ein anderes Tool, das glaubhaft als Enterprise 2.0 Werkzeug verkauft wurde) installiert ist.

Damit verspielen oder vertagen diese Unternehmen leider die riesen Chance, welche wirklich neue Technologie UND Kultur ihnen bieten würde. Eine Enterpise 2.0 Transformation in unserem Sinne ist abgeschlossen, wenn eine Firma die folgenden drei Paradigmen hinter sich gelassen hat:

  • Wir verwalten Informationen in Dokumenten und hierarchisch organisierten Ordnern
  • Eine effiziente und effektive Firma funktioniert nach dem Modell einer gut geölten Maschine
  • Wir versuchen Wissen möglichst geheim zu halten um uns damit Wettbewerbsvorteile zu sichern

Alle diese Grundsätze simplifizieren natürlich, aber nur so lässt sich der Kern der notwendigen Änderungen so präzise herausarbeiten, dass sich daraus klare Schritte für die notwendige Transformation ableiten lassen.

Eine Enterprise 2.0 handelt, ebenfalls simplifiziert, nach folgenden neuen Paradigmen:

  • Wir verwalten Informationen in Hypertext den wir durch vernetzen von URLs organisieren
  • Effiziente und effektive Wissensarbeit funktioniert nach dem Modell der Informationsverarbeitung im Gehirn
  • Wir versuchen Wissen in den Aufbau einer Community rund um dieses Wissen zu investieren mit deren Hilfe wir maximal effizient neues Wissen erschaffen

Damit ist klar, dass eine Enterprise 2.0 Transformation in diesem Sinne eine radikale Änderung ALLER Abläufe im Unternehmen bedeutet und die Installation neuer Werkzeuge eine notwendige Voraussetzung ist, mehr nicht.

Jeder dieser drei Paradigmenwechsel wird später in einem eigenen Abschnitt beschrieben. Wenn zunehmend mehr Unternehmen diese Paradigmenwechsel vollziehen hat dies auch fundamentale Auswirkungen auf die Volkswirtschaft als ganzes. Der neuen Wirtschaftsform hat Don Tapscott den treffenden Namen Wikinomics gegeben und zum Teil beeindruckende Beispiele in seinem gleichnamigen Buch beschrieben. Auch hierzu folgt ein eigener Abschnitt.

Was ist ein Paradigmenwechsel und warum ist das so schwierig?

Wir beziehen uns hier auf den Paradigmenbegriff mit dem sich Thomas Samuel Kuhn in seiner Wissenschaftstheorie beschäftigt hat. Ein Paradigma ist ein fundamentaler Glaubenssatz der an sich nicht mehr hinterfragt wird und auf dem ein ganzes Gebäude weiterer Theorien, Erkenntnisse, Methoden und sogar Kultur aufbauen. Wenn ein solcher Glaubenssatz dann durch einen neuen abgelöst wird, kann das zur Folge haben das ganze Weltbilder zusammenbrechen. Ein Beispiel für die Abfolge solcher Glaubenssätze ist:
  • Die Welt ist eine Scheibe
  • Das Universum ist eine große Maschine
  • Wir bestehen aus Quanten
Nach einiger Vorarbeit durch Keppler, Galilei und anderen gelang es Newton endültig ein neues Weltbild zu schaffen in dessen Zentrum weder Erde noch Sonne lagen und in dem letztlich auch kein handelnder Gott mehr Platz hatte. Das Universum schien deterministisch zu funktionieren wie eine Maschine. Das Maschinenmodell galt dann bis Einstein, Schrödinger, Heisenberg und andere das Maschinenmodell wieder begraben haben und durch ein nicht deterministisches Modell ersetzt haben. Die Relativitätstheorie und die Quantenphysik sind bis heute anerkannt, obwohl wir bereits Wissen, das auch diese Theorien irgendwann abgelöst werden, da sie sich gegenseitig widersprechen.

Newton ermöglichte letztendlich die Art von Wissenschaft welche dann zur industriellen Revolution führte, die Quantenmechnik lieferte die Grundlagen für Microprozessoren und somit der Digitalen Revolution die immer noch im Gange ist.

Das interessante an Paradigmenwechseln ist, dass sie sich oft in der Weise vollziehen, dass Anhänger des alten Paradigmas erst aussterben müssen bis sich das neue Paradigma durchsetzt. Dies hat zur Folge, dass ein altes und neues Paradigma über eine längere Zeit parallel existieren können.

Die Ursache liegt darin, dass das alte Paradigma so tief in den Wurzeln des Unterbewußsten, den Gewohnheiten und der Kultur verankert ist, dass das neue Paragima als absurd und/oder gefährlich betrachtet wird. Karrieren, Organisationen, Industriezweige oder politische Systeme beruhen auf dem alten Paradigma und all diese Kräfte versuchen das neue mit allen Mitteln zu bekämpfen, bewußt aber auch unbewußt.

Ursache des Paradigmenwechsel sind veränderte Dokumenteigenschaften

Der Paradigmenwechsel welcher die Transformation zur Enterprise 2.0 bzw. 3.0 ermöglicht ist nicht so fundamental wie die vorher beschriebenen. Genau genommen ist er eine Ableitung aus der digitalen Revolution. Aber auch die Folgen dieser Teilaspekte sind so gravierend, dass sie demselben generellen Muster von Paradigmenwechseln gehorchen.

Das Fundament von Wissensarbeit ist das Dokument. Seit Jahrhundert haben Dokumente bestimmte Eigenschaften und die Art und Weise wie wir Dokumente erstellen, ordnen, publizieren, verfizieren usw. wurde in eben diesem Zeitraum optimiert um den Eigenschaften die Dokumente nun mal haben gerecht zu werden. Diese Informationsverarbeitungsprozesse sind nun in unseren persönlichen Gewohnheiten unserer Kultur und Wirtschaft verankert. Sie werden nicht in Frage gestellt, obwohl sich die Eigenschaften von Dokumenten komplett geändert haben und die alten Verhaltensweisen dadurch plötzlich alles andere als optimal sind.

Einige Eigenschaften von Dokumenten die sich geändert haben:
  • In der praktischen Nutzung von Information spielt der physische Ort an dem sie sich befindet keine Rolle mehr
    • Früher mußten Dokument und Rezipient physisch am selben Ort sein, zum Beispiel in einer Bibliothek. Heute ist der "Ort" einer Information eine URL, z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Digitale_Revolution. Wo sich der Leser befindet und wo der Server steht auf dem die Daten sind spielt überhaupt keine Rolle.
  • Publikation von Information ist praktisch kostenlos.
    • Jeder der Internetanschluß hat kann einen kostenlosen Blog starten den wiederum jeder der Internetanschluß hat lesen kann.
  • Information wird durch vernetzen von URLs organisiert
    • Früher wurde Information hierarchisch organisiert. In Kapiteln, in Ordnern, in Regalen, in Bibliotheken...
  • Information kann jederzeit von jedem bearbeitet werden.
    • Jeder Leser der Wikipedia kann sofort einen Tippfehler korrigieren.
    • Dieser Punkt ist etwas schwierig zu simplifizieren. Insgesamt sind einfach völlig neue Möglichkeiten der gemeinsam Erstellung und Weiterentwicklung von Information möglich die vorher nicht möglich waren.

Die genannten Änderungen werden in vielen Büchern und Vorträgen die sich mit Web 2.0, Wikinomics, Enterprise 2.0 etc. beschäftigen genannt. Trotzdem traut sich kaum jemand das eigentlich offensichtliche Handlungsfeld für eine Enterprise 2.0 Transformation anzugehen. In fast allen großen Firmen werden immer noch Prozessmuster genutzt die für die Informationsverarbeitung mit Papier und Tinte erfunden und optimiert wurden. Das einzige was wir in den letzten Jahrzehnten erfolgreich hinbekommen haben, ist die Digitalisierung des Papiers:
  • Wir nutzen immer noch Prozessmuster für Papier und Tinte
    • 'Ein Author' erstellt ein Word-'Dokument', speichert dies in einem 'Ordner' auf einem 'hierarchisch organisierten Filesystem'. Das Dokument 'befindet sich' auf seinem Rechner oder einer 'Dokumentenbibliothek' (Fileshare). Um das Dokument zu publizieren oder Feedback zu bekommen erstellt er eine 'Kopie' und 'verschickt' diese Kopie per elektronischer 'Post' (Email)...

Natürlich wurde durch die Digitalisierung des Dokuments und all der Werkzeuge drumherum in den letzten Jahren ein enormer Effizienzgewinn erzielt. Aber wir befinden uns bildlich gesprochen am Ende des Newtonschon Paradigmas und am Anfang der Quantenphysik. Wir kommen keinen Schritt mehr weiter in dem wir die alten Prozesse weiter optimieren. Schon jetzt ertrinken viele Wissensarbeiter in der Emailflut, welche eine Folge der laufenden Vereinfachung und Verbilligung alter Prozesse ist. Ein weiterer Effizienzsprung gelingt nur, wenn auch im Unternehmen vom Brockhaus Prozessmuster auf das Wikipedia Prozessmuster gewechselt wird.

Damit kennen wir nun die Antwort darauf, warum Web 2.0 zunächst ein Internetphenomen ist, und wir uns erst hinterher mit Enterprise 2.0 beschäftigen. Es liegt daran, das es im Internet keine bestehende "Dokumenten Kultur" gab. Erst als ein großer "Kultur freier" Raum enstanden ist, d.h. viele bisher unorganisierte Privatpersonen schnelle und permanente Internetanschlüsse z.B. per DSL hatten, konnten Prozessmuster wie bei der Wikipedia überhaupt entstehen. Jetzt wo deren Potential offensichtlich ist wächst zum einen das Interesse von Unternehmen zum anderen aber auch der Druck sich mit Enterprise 2.0 zu beschäftigen.

Enterprise 2.0 + Semantik Web = Enterprise 3.0

Erfreulicherweise ist die Definition von Enterprise 3.0 jetzt relativ einfach und präzise möglich. Eine kurze Wikipedia Recherche ergibt, dass dieser Begriff bisher nicht allgemein belegt ist. Analog zu der Ableitung von Enterprise 2.0 aus Web 2.0 leiten wir hier Enterprise 3.0 aus Web 3.0 ab. Für Web 3.0 refenzieren wir die Definition des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.


Wenn wir Organisationen die sich jetzt mit Enterprise 2.0 beschäftigen raten, sie sollen doch gleich eine Enterprise 3.0 Transformation durchführen, ist die erste Reaktion ähnlich reserviert, wie wenn wir vor 4 Jahren geraten haben Dokumentation in einem Wiki zu erstellen. Sie befürchten ein zusätzliche Komplexität, welche die Transformation in die länge zieht und oder teuerer macht.

Tatsächlich ist aber das Gegenteil der Fall. Der schwierige Teil des Kulturwandels ist exakt gleich zeit- und kostenaufwändig, völlig egal ob in der darunter liegenden Technik Semantik Web Technologien enthalten sind oder nicht. Der erzielbare Nutzen ist aber bei integrierter Semantik Web Technologie viel höher. Wenn erst Mal ein erfolgreiches Pilotprojekt durchgeführt wurde, sind andere Projekte leichter und schneller zu überzeugen ebenfalls auf die neuen Prozessmuster und Technologien zu setzen.

Vom Dokument zum Hypertext=

Historie

Nachdem am Engelbert am Stanford Research Institute 1968 die erste Implementierung von Hypertext in der Mutter aller Demos vorgestellt hatte vergingen noch einige Jahre bis diese Technik zum ersten Mal produktiv eingesetzt wurde. Alle waren irgendwie begeistert von der Technologie, aber niemand konnte sich vorstellen wie damit dokumentenbasierte Prozesse in der Praxis in großen Stil abgelöst werden könnten.

Der erste produktive Einsatz von Hypertext erfolgte 1990 im europäischen Kernforschungszentrum CERN. Dort hat Tim Berners Lee das "World Wide Web", verlinkte Webseiten, so wie sie heute jeder Internetbenutzer kennt, und den ersten Webbrowser erfunden. Die Antwort auf die Frage warum gerade dort die Konzepte von Engelbart zum ersten Mal produktiv eingesetzt wurden hilft auch die Bedeutung von Enterprise 2.0 zu verstehen.

Die Wissenschaftler des CERN arbeiteten zu diesem Zeitpunkt an der damals größten und komplexesten Maschine der Welt. Dem LEP, Large Electron-Positron Collider. Mehrere tausend Wissenschaftler mussten irgendwie so koordiniert werden, dass jeder sein zum Teil absolut einzigartiges Wissen überall im Projekt wo es benötigt wurde einfließen lassen konnte. Ein derart komplexes Projekt war mit klassischen Kollborations- und Dokumentationsprozessen nicht mehr beherrschbar. Es war nicht der Job der CERN Mitarbeiter effizientere Technologien und Methoden für die Zusammenarbeit von Wissensarbeitern zu erfinden. Sie wurden vielmehr gezwungen erst die Werkzeuge zu erfinden mit denen sie dann effektiv, gemeinsam ihre Hauptaufgabe erledigen konnten.

Für die Wissenschaftler des CERN stand also die Effektivitätssteigerung welche durch die neuen Prozessmuster möglich war im Vordergrund. Es ging darum ein Problem zu lösen, dass ohne das neue Muster gar nicht lösbar gewesen wäre.

Tim Berners Lee hat die Mission von Engelbert "Augmenting Human Intellect" Realität werden lassen. Möchte man sich eingehender mit Enterprise 2.0 beschäftigen, hat aber nur Zeit um ein einziges Buch zu lesen, dann ist "Weaving the Web" von Tim Berners Lee aus dem Jahre 1999 wahrscheinlich immer noch die beste Wahl.

Der erste Browser war gleichzeitig auch ein Editor mit dem Webseiten nicht nur angezeigt sondern auch erstellt werden konnten. Die Wissenschaftler des CERN konnten so gemeinsam an Hypertext arbeiten. Im Internet wurde der Browser zunächst hauptsächlich zum Lesen verwendet. Erst 1995 mit Erfindung des Wiki durch Ward Cunningham konnte das Konzept "wer lesen darf, darf auch schreiben" praktikabel und für einen größeren Anwenderkreis realisiert werden.

Das Prozessmuster des [Wiki-Kollaborationsmodell?]s beruht auf drei Prinzipen:
  • Fehlertoleranz vor Fehlervermeidung
  • Schnelligkeit vor Perfektion
  • Selbstlernend und -organisierend durch Transparenz

Da in einem Wiki gemeinsam Webseiten, also Hypertext, erstellt werden unterstützt ein Wiki natürlich auch die Informationsstruktur von Hypertext.

Das neue Prozessmuster durch welches Hypertext erstellt und konsumiert wird und die Struktur des Hypertext sind die Basis für die erzielten Effizienz- und Effektitätssteigerungen. Beides wird daher im Abschnitt "Corpopedia: das neue Intranet?" genauer beschrieben.

Wikis haben sich zunächst im Umfeld ihres Erfinders etabliert und von da immer weiter verbreitet. Cunningham ist "Design Pattern" Guru. Wikis wurden daher zunächst in der Softwareentwickler-Szene, besonders im Open Source Bereich und dann bei Ingenieuren beliebt. Der nächste Entwicklungssprung gelang 2001 mit Erfindung der Wikipedia, die bereits als Web 2.0 Plattform gilt.



Corpopedia: Das neue Intranet?


Google Wave: Die neue Email?


Warum Sharepoint nichts mit Enterprise 2.0 zu tun hat


Von der Maschine zum Gehirn


Skalenfreie Netze


Skalierung von Kreativität


Bewertung in Netzen: Das lymbische System


Wikinomics: Vom Brockhaus zur Wikipedia !


Wikipedia


Goldcorp


Prosumer Modelle


Von Enterprise 3.0 zu Economy 3.0


Kommunikation benötigt Standards


Semantic Wikipedia


Inter-Corpopedia


Wave


Prosumer Plattform

Tags

Letzte Änderung von Patrick Sbrzesny am 16.06.2009 um 15:41

Hier anmelden

Du bist noch kein Mitglied der Community?

alternative Logins

Melde dich alternativ mit deinem Zugang eines Drittanbieters an.

Menü

IT-Gipfel 2009 (7.-8. Dezember 2009)

Ergebnisse


TELEKOM-WORKSHOP (17.06.09)

Die Ergebnisse sind online, jetzt können wir sie weiterbearbeiten!


DNAdigital BUCH
Wenn Anzugträger auf Kapuzenpullis treffen (Hrsg. Willms Buhse / Ulrike Reinhard)



Open Space (03.11.08)
Open Space (17.10.08)

VERMISCHTES



Community-Details

  • Suche nach:

  • Community-Name

    DNAdigital
    Top-Entscheider und Digital Natives diskutieren über die Zukunft der Arbeitswelt im Enterprise 2.0.

  • Dein Gastgeber ist

    Willms Buhse

  • Online seit

    18.07.2008

  • Mitglieder

    885

  • Sprache

    Deutsch