"Sören Stamer":
"ulrike reinhard":
Heute erreichte mich ueber meine regulaere Emailadresse von einem Mitglied dieser Plattform folgendes zu DNAdigital:
"[...]"
Liebe Ulrike, danke Dir, dass Du die Kritik öffentlich gemacht hast. Mir gibt das Feedback sehr zu denken. Wenn ich die Kritik richtig verstehe, kommen mehrere negative Punkte zusammen:
1. Der Begriff DNAdigital kommuniziert etwas Trennendes statt etwas Verbindendes und schafft daher Probleme, wo keine waren.
2. Vor diesem Hintergrund erscheint die Intention der DNAdigital-Initative fraglich. Es entstand der Eindruck, dass es am Ende doch nur um Geschäftemacherei geht: Beratung für Brückenbau.
3. Den Teilnehmern wird schließlich vorgeworfen, nicht offen und ehrlich zu kommunizieren, da sie wirtschaftlich abhängig seien.
[...]
Ich sage an anderen Stellen so auch hier meine ehrliche Meinung. Die mag nicht allen schmecken. Das kann sie auch gar nicht. Doch damit kann und muss ich leben. Wer einen Unterschied machen will, muss bereit sein, anzuecken. Für offenen und ehrlichen Widerspruch, der inhaltlich motiviert ist, empfinde ich viel Respekt. Für aufgesetzte Zustimmung nicht. Ich glaube nicht an künstliche Masken und ein poliertes Image. Die werden in einer massiv vernetzten Welt eh genüsslich auseinander genommen.
Was meint Ihr? Wie können und sollten wir von hier aus weitermachen?
Alle Liebe,
Sören
Zunächst möchte ich an dieser Stelle Sören Stamer Respekt zollen für die ehrliche Antwort, für die er sich sichtbar Zeit genommen hat. Vor allem aber hat als erster die Kritik ernst genommen. Ulrike hat leider nicht die Kritik öffentlich gemacht, sondern meine an sie als persönliche Mail adressierte Botschaft die in einem bestimmten Kontext stand. Für eine Veröffentlichung war die Mail - wie man an der doch recht drastischen Wortwahl erkennt - nie gedacht.
Die E-Mail stand am Ende eines längeren Kommunikationsprozesses - auch mit einigen anderen Plattformmitgliedern - der sich aufgeschaukelt hat. Da die E-Mail mittlerweile schon zweifelhafte Berühmtheit als das "Kritik-Schreiben" erlangt hat (sogar mit eigenem Link bei Readers Edition http://www.readers-edition.de/2008/10/07/vom-safer-sex-zur-freien-liebe/#19125) empfinde ich es nur als fair, ebenso die Öffentlichkeit zu suchen, wie Ulrike dies mit meiner Mail ohne meine Zustimmung getan hat.
Aber zurück zu Sören Stamers Antwort... ich bin wie gesagt sehr positiv beeindruckt. Ich kann die Antwort 100% nachvollziehen. Jetzt wird mir allerdings erstmals klar, was die Intention von dnadigital ist bzw. sein sollte. Ich habe die Initiative bislang völlig anders wahrgenommen und das hat auch zu einigen Fragen bei mir geführt bis hin zu einigen Mails die ausgetauscht wurden. Weil ich mir anfangs unsicher war, ob ich das allein so sehe habe ich mehrere Teilnehmer der Plattform per Mail kontaktiert um mich zu vergewissern, dass ich eben NICHT allein bin. Ich werfe den TN nicht vor, aus wirtschaftlicher Abhängigkeit heraus keine Kritik zu äußern ich vermutete dies nur.
Auslöser, und das ist völlig richtig erkannt, ist Punkt 1 der zu Punkt 2 führt. Ethisch richtiges Handeln kombiniert mit Geschäft dagegen hat wirklich niemand etwas, im Gegenteil, das sollte das Businessmodell der Zukunft werden. Doch die Wahl des Begriffs "Digital Native" ist mehr als nur ein unglücklicher Zufall. Immerhin wird diese Frage bereits bei der Anmeldung zur Plattform gestellt. Die Plattform selbst beginnt schon vor ihrem eigentlichen Beginn, die Leute zu teilen ("Two Legs bad, Four Legs good"). Nein, so kann man doch keine Atmosphäre schaffen in der auf Augenhöhe kommuniziert wird!
Ich interessiere mich seit ich meinen ersten Amiga Computer hatte für Technologie. Ich programmiere seit ich einen Rechner habe und habe somit auch das Internet bereits um einige Dinge (darunter große Webapplikationen) bereichert. Doch sich als "Digital Immigrant" einsortieren lassen zu müssen, das hat mich echt nachdenklich gemacht. So nachdenklich, dass ich zunächst die Problematik des Begriffs in meinem Weblog thematisiert habe, in der Hoffnung, dass eben nicht nur die Plattform sich mit dem Begriff befasst, sondern auch andere, um eine möglichst ausgewogene Resonanz zu bekommen.
Der Beitrag ist online hier abrufbar:
http://www.ifeb.uni-bremen.de/wordpress_staedtler/?p=505
Nachdem ich leider wenig Resonanz auf die öffentliche Kritik an dem Begriff bekam, wandte ich mich an Personen die vermeintliche Meinungsführer innerhalb der Plattform waren. Dazu gehörte für mich Jonathan Imme, dem ich folgende mixxt-Mail sendete:
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hi jonathan.
um ganz ehrlich zu sein, komme ich mir bissel dämlich vor, dass es mich offenbar als einzigen interessiert, was der begriff nun wirklich bedeuten soll. aber, hey, sowas bin ich aus der wissenschaft gewohnt. und es gab ja auch mal die geschichte mit des kaisers neuen kleidern. da hat sich nur ein kind für die wahrheit interessiert.
ich finde den begriff völlig bescheuert, weil er eine künstliche linie schafft, die nichts bringt. was bringt es mir an zusatzinfo zu wissen, dass du jünger bist als ich, wenn wir uns beide einfach nur konstruktiv austauschen wollen darüber, wie die digitalen dinge laufen oder laufen sollten? genau, nix.
ich gehe auch nicht da raus und proklamiere lauthals, ich bin der digitale wegbereiter, auf dessen mühsam bereiteten wegen die jetzige jugend ihren claim als "digital native" mit delicious taggen kann nur weil es diese wegbereiter überhaupt gab. aber sich als immigrant beschimpfen zu lassen kotzt mich wirklich mächtig an. und wenn [...Personenname aus der Plattform...], meint er hat die Web 2.0-Weisheit mit Löffeln gefressen bitte. Es gibt bereits claims da draussen, die von leuten vor eurer zeit zusammengezimmert wurden (das haste jetzt davon, ich separiere mich von dir weil du ja "native" bist und ich nicht ... genau das hasse ich so an diesem begriff ...absolut kontraproduktiv). wer möchte mit leuten reden, die ihn (den sich als ureinwohner fühlenden) als immigranten bezeichnen?
jugend allein ist keine leistung. die jungendperspektive zu researchen und zu beschreiben nennt man trendscouting oder coolhunting, das ist dann eine leistung. die welt verändern wollen wir alle, sie retten nicht unbedingt jeder. aber so naiv zu sein, zu glauben, dass man in eine bestehende gruppierung (die nämlich die zuerst da waren und einen haufen aufgebaut haben) einfach so reinmarschieren kann und sagen kann "ätsch ist alles unsers und im übrigen seid ihr die immigranten die von nix plan haben" dafür braucht es wohl schon die volle naivität der jugend.
genau so aber kommt das rüber. und wenn das bei mir schon so ankommt, dann bin ich gespannt welche positive einstellung irgendein CEO dir entgegenbringt, wenn du ihn mit den worten empfängst: "sie sind hier in mein territorium eingewandert sie immigrant". lieber bin ich ein digitaler alien als ein immigrant, echt!
nur so zum nachdenken. mich macht der begriff wirklich wütend (merkt man hier jetzt sicher auch), weil er das miteinander zerstört. man merkt es aber auch an jureks kommentar, eigentlich möchte er, dass wir eine gruppe sind und uns alle zusammen sehen, was aber mit diesem begriff völlig unmöglich ist, weil er die eine gruppe überhöht darstellt. partner sollten sich auf gleicher ebene begegnen meiner meinung nach.
just meine letzten gedanken zu dem thema für heute,
servus, helge
Mir gehts hier echt um die Sache. Ich sehe das als gefährlich an diesen Begriff weiter zu branden und zu pushen. Weil er implizit definitiv spaltet und nicht nur zwischen CEO's und euch, sondern offenbar auch schon untereinander.
------------------- ENDE
Diese Mail drückt aus wie sehr mich das bewegt hat. Ich hatte die Hoffnung, dass meine Kritik vielleicht etwas gedämpfter weitergetragen wird durch Jonathan. Was aber eher nicht passierte und was ich ja auch nicht verlangen konnte.
Die Nachricht, die dann später an Ulrike Reinhard ging, lief nicht innerhalb von mixxt, sondern primär über Skype (es ist also zunächst gar keine E-Mail gewesen). Ich habe Ulrike Reinhard auf der SCOPE 2007 erstmalig persönlich getroffen. Danach haben wir immer mal wieder in Abständen Kontakt gehabt. Zum Zeitpunkt, als ich die besagte Nachricht an Ulrike schrieb, war zwischen uns beiden jedoch aus anderen Gründen (die hier nicht hergehören) gerade nicht das beste Verhältnis, also ein wenig Zwist.
Ich hatte bereits einige Anläufe genommen und E-Mails vorformuliert die ich bislang nicht an Ulrike versandt hatte, weil sie schlicht nicht "sendefähig von ihrer Wortwahl" waren, ich aber nicht in der Lage war, sie umzuformulieren, bis... ja bis Ulrike aktiv danach gefragt hat und mir zudem vorwarf aggressiv und frustriert zu sein. Was in Bezug auf die Entwicklung der Diskussion um "Digital Immigrants" auch ganz sicher zutraf.
Als Antwort auf ihre Frage entstand dann die tatsächliche E-Mail, die nur zu einem kleinen Teil einen Bezug zu DNAdigital hatte und zu einem größeren Teil mit unserem Zwist zu tun hatte (schließlich war die Mail schon vorformuliert gewesen, aber eben nie versandt worden bis dahin).
Ich wäre nie davon ausgegangen, dass Ulrike die Nachricht veröffentlicht, zumal ich sie explizit darum gebeten habe es nicht zu tun. Da ich nicht weiß, wem Ulrike den Absender schon alles preisgegeben hat, möchte ich jetzt die Gelegenheit ergreifen und zu diesem Vorgehen einen möglichst konstruktiven Beitrag leisten. Bestärkt hat mich darin Sören Stamers Reaktion und EINZIG SEINE Reaktion!!
Ich finde Sören Stamers Beitrag uneingeschränkt klasse. Zu Punkt 1 & 2 habe ich meine Ansichten mehr als klar gemacht. Da auf die inhaltliche Kritik am Begriff "Digital Immigrant" nur unwesentlich eingegangen wurde, musste ich vermuten, dass es wohl doch um Geschäft ging. Deshalb finde ich es außerordentlich wertvoll hier den wahren Beweggrund für DNAdigital zu erfahren, der erstmals nachvollziehbar und unterstützenswert erscheint und sich eigentlich fast auf ein Motto eines Grönemeyer Songs stützt "Gebt den Kindern das Kommando. [...]". Das heißt ja eigentlich soviel wie: "nehmt sie ernst begegnet ihnen auf augenhöhe und räumt ihnen macht zum handeln ein."
Zu Punkt 2, wie gesagt das war eine eher hilflose Vermutung. Was das Geldsystem anbelangt finde ich Muhammad Yunus Arbeit mit Mikrokrediten prima, doch löst seine ehrenwerte Arbeit meiner Ansicht nach nicht das Problem, was dem Geldsystem inhärent ist. Wer diesbezüglich Inspiration sucht, wird bei Komplementärwährungssystemen fündig oder er liest einfach das Buch "Momo" nochmal ganz aufmerksam; oder noch besser er verfolgt einfach den Weg, wo seine Guthabenzinsen bei der Bank herkommen einmal ganz bis zur Quelle zurück. Das gleiche tut man dann nochmal mit den Kosten der Unternehmer für die Schuldenzinsen und guckt, nach in welchen Produkten der Anteil am Preis für Schuldenzinsen wie hoch ist.
Ich möchte hier gerne einen Unterschied machen in allen drei von Sören Stamer angesprochenen Punkten. Nun wie kann und sollte man von hier aus weitermachen? Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, denn nun da das eigentliche Ziel klarer ist ("Kinder an die Macht!"), wird die Distanz dahin deutlicher - und sie wirkt sehr groß. Momentan bin ich da überfragt, vielleicht wären kleinere Teilziele ein erster Schritt auf dem Weg.
Wovon man sich jedoch meiner Ansicht nach lösen sollte ist das Begriffspaar "Native/Immigrant". Warum kann man nicht einfach in der digitalen Welt (ein-)heimisch werden, sich darin wohlfühlen und diese mitgestalten? Dazu muss doch niemand aus- oder gar einwandern, oder?