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Tools von Heute bestimmen das Lernen von Morgen

AutorBeitrag

am 02.09.2008 geschrieben am 02.09.2008 geschrieben

Die Art und Weise wie wir morgen lernen hängt stark mit den Tools zusammen die wir heute entwickeln. Bevor es das Buch gab wurde anders gelernt. Das Buch war eine Möglichkeit Informationen abzuspeichern und anderen Menschen an einem anderen Ort und evtl. in einer anderen Zeit zur Verfügung zu stellen. Das war etwas Neues, denn die Menschen haben damals die Informationen immer direkt von einem Mitmenschen übernehmen müssen. Um auf diese Informationen zurückzugreifen, musste man jedoch erstmal das System Buch und das System Schrift lernen. Dafür braucht man aber wieder einen Menschen.
Das Internet ist in meinen Augen nur eine Fortentwicklung des Systemes Buch was natürlich ganz Stark mit dem System Schrift zusammenhängt. Wir können nun alleine vor dem Rechner auf Informationen zurückgreifen, die andere Menschen hinterlegt haben. Durch die unheimlich starke Einbindung des Internet in den Alltag entwickelt sich jedoch etwas neues. Denn der Mensch ist ein soziales Wesen das immer Feedback von anderen Menschen braucht. Selbst der Autor eines Buches schreibt in 99,9 % der Fällen nicht für sich selbst sondern für Menschen die dann wiederum auf den Autor reagieren können. Durch diese permanente Suche zum Feedback und den Zustand der starken Einbindung in das Netz sucht der Mensch im Netz nun nach Feedback von anderen Menschen. Vielleicht auch die Erklärung warum Twitter so ein Phänomen geworden ist. Jedenfalls entwickeln sich so neue Formen der Zusammenarbeit die Zeitgelöst und Ortsgelöst sind. Die synchrone und asynchrone Kommunikation nimmt durch das Internet stark zu. Und wenn diese Kommunikation ergebnisorientiert ist, ( Ein Wiki, Ein Referat, etc.) lernt der Mensch am meisten.

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am 02.09.2008 geschrieben am 02.09.2008 geschrieben

"Tamim Swaid":

Das Internet ist in meinen Augen nur eine Fortentwicklung des Systemes Buch was natürlich ganz Stark mit dem System Schrift zusammenhängt.


Ist es das, "nur" eine Fortentwicklung, oder nicht sogar viel mehr die nächste große "Medien-Revolution" nach der Erfindung des Buchdrucks, Rundfunks und Fernsehens? Die großen Reformationen des 16. Jh., die Aufklärung des 18 Jh. und die französiche Revolution kann man mMn zum Beispiel noch als Spätfolge der "Druckrevolution" bezeichnen.

Was werden bzgl. des www die Folgen sein? Digital Natives zum Beispiel?

Interessanter Beitrag TamiM.

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am 03.09.2008 geschrieben am 03.09.2008 geschrieben

Keine Frage, die Folgen sind immens. Und sie treffen uns schnell und häufig. Und weil sie uns so schnell und häufig treffen müssen wir lernen anders an Dinge ranzugehen. Die Denke etwas erstmal komplett beherschen zu müssen, ein Meister seines Faches zu sein, wird stark abnehmen, weil die Zeit eine Sache wirklich zu beherrschen zu kurz geworden ist. Früher war der Tischler ein weit verbreiteter Beruf und heutzutage gibt es wegen der Industrierevolution sehr viel weniger Tischler. Wir müssen also lernen angstfreier mit neuen Dingen umzugehen, auch im Alter.
Und natürlich wird es Digital Natives geben. Genauso wie ein Kind spielend leicht die Sprache erlernt und das Unterbewusstsein die Muster der Sprache (Grammatik) erkennt und einzusetzen weiß werden die Kinder von heute spielend leicht die Grammatik des Internets erlernen und einzusetzen wissen. Und das schneller als ihre Eltern. Sie werden auch andere Formen der Kommunikation lernen, weil sie so lange vor dem Internet sitzen. Aber sie werden auch bestimmte Formen der Kommunikation, die ihre Eltern benutzt haben, nicht kennen.

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am 03.09.2008 geschrieben am 03.09.2008 geschrieben

Ich denke, dass die Kinder von morgen in einer großen Digitalen Welt leben werden. Die Schule scheint dort schon heute einen Anfang zu machen. Referate auf Grundlage einer Recherche im Internet ist häufiger als ein Referat aus den Lehrbüchern heraus. Man muss heute kein fundamentales Wissen mehr haben. Vielmehr ist es wichtiger geworden, genau zu wissen, wo ich die nötigen Informationen bekomme. Das Internet scheint dabei heute schon eine der größten Rollen zu übernehmen. Hatten wir früher noch Lexika in unseren Regalen stehen, so nutzt man heute dafür die Digitale Welt. Welche Gefahr ich jedoch auch darin sehe ist, dass sich immer mehr auf die Anderen und das Wissen der Anderen verlassen wird. Die Spezialisierung auf einem Fachgebiet scheint für mich in der Zukunft noch wichtiger zu werden. Das breite Wissen kann sich jeder innerhalb von ein paar Minuten aus dem Internet herausnehmen.

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am 03.09.2008 geschrieben am 03.09.2008 geschrieben

Da würde ich euch absolut zustimmen...

Zum Thema Lernmethoden: In der FH arbeiten wir schon sehr viel mit webbasierten Tools zur Begleitung des Unterrichtes wie z.B. Moodle (http://www.moodle.de/), wo sämtliche Unterrichtsmaterialien wie Power Point Slides, Skripte etc. bereitgestellt werden, interaktive Tests eingebunden werden und Kommunikation über Foren und Blogs zwischen Studis und Dozenten ermöglicht wird. Außerdem gibt es Regelmäßig die Möglichkeit umfangreiches Feedback zu Veranstaltungen zu geben... Finde ich sehr gut!

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am 04.09.2008 geschrieben am 04.09.2008 geschrieben

Ich lese in dem Großteil der Beiträge einen argen Positivismus bezüglich der Wissensvermittlung im Internet. Ich sehe das schon problematischer. Neben der angesprochenen Tendenz sich auf recht unzureichend selbstreflektierte Quellen zurückzugreifen (Wiki, etc. ), besteht generell ein Überangebot an Expertise die mit unter zum gleichen Thema sehr widersprüchlich sind. Die Gefahr der Dogmatisierung und Reduktion auf Recht (Wahrheit) kraft Autorität ist eine große, bei jedem beliebige Tool.

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am 04.09.2008 geschrieben am 04.09.2008 geschrieben

"Daniel Palm":

Neben der angesprochenen Tendenz sich auf recht unzureichend selbstreflektierte Quellen zurückzugreifen (Wiki, etc. ), besteht generell ein Überangebot an Expertise die mit unter zum gleichen Thema sehr widersprüchlich sind. Die Gefahr der Dogmatisierung und Reduktion auf Recht (Wahrheit) kraft Autorität ist eine große, bei jedem beliebige Tool.


Und das war "früher", als Wissensvermittlung noch ausschließlich im "direkten" Austausch oder über Schrift/ Buch stattfand, anders? Wenn ich in einer Bibliothek zum Beispiel vor dem Regal "englische Malerei des 18 Jhd." stehe, finde ich da trotz eines recht "speziellen" Themas auch ne ganze Menge Bücher. Ich brauche auch hier ein Vorgehensschema, Auswahlkriterien usw. und es ist mir unmöglich, alles zum Thema zu lesen. Also wie im Netz, nur eben nicht täglich direkt vor meiner Nase...

Die Anforderungen an den Lernenden bleiben ähnlich, müssen aber angepasst werden. Immer noch geht es um Filter, Selektion, Konzentration. Dazu kommt wohl vor allem die höhere Geschwindigkeit durch schnelleren Fortschritt, zumindest in techniknahen Branchen.

http://www.abendblatt.de/daten/2007/12/05/824174.html

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am 04.09.2008 geschrieben am 04.09.2008 geschrieben

"Tamim Swaid":

Die Art und Weise wie wir morgen lernen hängt stark mit den Tools zusammen die wir heute entwickeln. Bevor es das Buch gab wurde anders gelernt. Das Buch war eine Möglichkeit Informationen abzuspeichern und anderen Menschen an einem anderen Ort und evtl. in einer anderen Zeit zur Verfügung zu stellen.[...]
Das Internet ist in meinen Augen nur eine Fortentwicklung des Systemes Buch was natürlich ganz Stark mit dem System Schrift zusammenhängt.


Ich habe gerade angefangen Al Gore " Angriff auf die Vernunft" http://www.amazon.de/Angriff-auf-die-Vernunft-Gore/dp/3570500896 zu lesen.

Al Gore zieht zwischen Buch und Internet noch das Fernsehen als großen Entwicklungsschritt. Der Vorteil des Buchs ist das Konzentrieren auf den Inhalt, wohingegen es beim Fernsehen als reichem Medium mit den vielen Bewegungen zu einem "Orientierungsreflex" kommt und der Mensch ständig von der Form abgelenkt wird (teilweise gezielt). Im Fernsehen fand außerdem eine Konzentration statt, welche die demokratische Diskussionskultur abflauen ließ. Das Internet bietet hier wieder die Möglichkeit, dass die Bürger bei der Meinungsbildung mehr mitmachen können.

Und ich sehe auch für das Lernen darin einen Wandel: Nicht mehr nur Frontalunterricht und "passives" Lernen, sondern vermehrt bewusstes Lernen mit anderen (okay, wir saßen auch gemeinsam zusammen und lernten...) .

Gleichzeitig sehe ich in dem vielfältigen synchronen und asynchronen Kommunizieren ebenso wie in dem (medien-)reichen Internet mit vielen Ablenkungen die Gefahr, dass es schwieriger wird konzentriert zu lernen.

Darin sehe ich die Aufgabe der Lehrer: Das Lernen in einem solchen Umfeld zu vermitteln. Aber das sind ja fast immer noch die Digital Immigrants...

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am 10.09.2008 geschrieben am 10.09.2008 geschrieben

M.E. ist ein Großteil der Lehrer sogar als Digital Ignorants zu klassifizieren...

Die Lehrerbildung müsste da in einem viel stärkeren und vor allem verbindlicherem Maße ansetzen. Mich würde mal interessieren, ob hier auch Lehramtsanwärter sind und inwiefern diese an ihrer Uni die Möglichkeit haben/ hatten, sich auf wissenschaflticher und didaktischer Ebene mit dem Thema Neue Medien auseinanderzusetzen. Ohne diese Ausbildung an der Uni, wird es nur sehr schwer, die von euch oben schon ansatzweise beschriebenen Kompetenzen den Schülern zu vermitteln. Gerade Politiker bedienen sich gerne dem Schlagwort der Medienkompetenz. Damit geht oftmals die technische Aufrüstung der schulischen Einrichtungen einher. Selbst wenn das Selbstlernen und entsprechende Lernarrangements zunehmen werden und auch sollen, werden immer noch Lehrer in ihrer Rolle als Mediatoren oder als Wegweiser benötigt. Technische Aufrüstung ist kein Selbstläufer für erfolgreiches Lernen, noch ist sie unabdingbare Voraussetzung. Dies zeigen die vergangenen Diskussionen in den USA. Dort wurde ein neues Zeitalter des Lernens propagiert und Schulen wurden mit Laptops beworfen. Die Lehrerbildung bzw. -fortbildung wurde außer acht gelassen oder ungenügend vorangetrieben. Als Konsequenz wurden die gleichen Unterrichtsmethoden verwendet, nur eben mit den neuen technischen Hilfsmitteln umgesetzt, wie z.B. Ergebnisse einer Argeitsgruppe über einen Beamer mittels Word vorgestellt. Das ist tecnnisch aufgeblasene Umsetzung von alten Unterrichtsmethoden. Dementsprechend viel das Fazit einiger Schulen in Bezug auf den Einsatz neuer Medien mehr als ernüchternd aus. Die gewünschten Ergebnisse blieben aus und pauschal wurde dafür die Unzulänglichkeit und der mangelnde Mehrwert - der nicht erkannt wurde - der Neuen Medien verantwortlich gemacht. Später hat ein amerikanischer Wissenschaftler belegen können, dass es die mangelnde didaktische Ausbildung des Lehrpersonals im Umgang mit den neuen Möglichkeiten war, die entsprechende Ergebnisse verhindert hat. Ich wollte damit mal ein kleines Zeichen für die Lehrerbildung setzen. Es gäbe zig weitere Beispiele, um zu zeigen, wie weit die Lehrerausbildung bei diesem Thema hinterher ist.

Nun noch kurz etwas zur Rolle des Internets etc. für die Zukunft. Die wesentlichen Sachen wurden oben bereits angesprochen. Man kann sich den Entwicklungen nicht entgegenstellen, sondern man muss lernen, damit umzugehen. Ein hohes Maß an selektiver Fähigkeit ist in diesem Zusammenhang unabdingbar. Der Medienkonsum wird zunehmen, keine Frage. Die heutigen Ausmaße sind aber schon erschreckend genug für unsere Jugend. Hierbei scheint sich ein Phänomen auszubilden, dass die Schere zwischen Schülern, die aus bildungsnahen oder bildungsfernen Familien kommen durch den Medienkonsum sich weiter öffnen wird. Dies kann nicht generalisiert werden, aber die Tendenzen sind eindeutig. Ein sehr interessanter Beitrag hierzu stammt von Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Nierdersachsen (http://www.landrat-lucas.de/schule/kollegium/intern/docs/_msw-studie-medienkonsum-pisa-verlierer_2008.pdf). Ich bin auf eure Meinungen gespannt.

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am 02.11.2008 geschrieben am 02.11.2008 geschrieben

Ich bin Jahrgang 88 und somit wohl ganz aktiv mit allen erdenklichen Medien aufgewachsen.
Ich wurde vom Fernseher, von Handies und vom Internet stark beeinflusst und hätte mich auch nicht dagegen wehren können.

Mit 9 Jahren hatte ich mein erstes Handy und mit 14 meinen eigenen Laptop. Beim Fernseher blieb es zum Glück beim allgemeinen Familien-TV.

Dennoch hatte ich früher ein Leben, das sich nicht nur in meinen vier Wänden abspielte.

Heute kann ich mir ein Leben ohne StudiVZ, MSN, ICQ etc nicht mehr vorstellen. Als bei mir eine Woche MSN nicht gelaufen ist, bin ich fast durchgedreht.

Ich habe viele Freunde und natürlich wohnen auch einige in meiner Nähe. Dennoch läuft ein Großteil meines Kontaktes zu anderen Menschen und der Austausch mit ihnen übers Internet.
Ich habe eine Menge Workshops gemacht, die sich mit Kommunikation beschäftigten und den Austausch zwischen Menschen und ständiges Feedback für das Wichtigste im Leben hielten.
Dem stimme ich auch weiterhin zu, aber heute haben sie die Möglichkeiten zu früher verändert.

Ich komme von einem Gymnasium, das als eines der ersten Schulen in Hamburg oder Deutschland Laptop-Klassen eingerichtet und die ganze Schule vernetzt hat. Wir wurden von Apple gesponsert und dadurch mit der neusten Technik ausgerüstet.
Für mich war das normal. Ich wuchs damit seit der 5. Klasse auf.
Dann aber kam eine neue Bildungssenatorin, die sich zum Ziel gesetzt hatte, möglichst viel Geld zu sparen und daher viele Schulen scheinbar willkührlich schloss.
Darunter fiel auch meine Schule, obwohl sie so viele neue Technologien nutzte.
Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass zwar an allen Ecken neue Technologien genutzt werden, die meisten "älteren" Menschen aber noch nicht begriffen haben, wie wichtig sie wirklich heutzutage sind und wie wichtig es vor allem ist, dass auch die Lehrerschaft damit umgehen kann.
Das Durchschnittsalter an den meisten Schulen befindet sich wahrscheinlich um die 40.
Das heißt, dass diese Lehrer nicht wissen können, in welchem Zeitalter, mit welchen Medien wir Kinder aufgewachsen sind.
Es wird noch immer mehr auf die Rentabilität einer Schule geachtet, als auf die Umsetzung neuer Medien und neuer Lehrmethoden, die vielleicht noch etwas Zeit brauchen, um ihre Wirkung zu zeigen.

Es reicht nicht mehr, dass man weiß, wie ein Pc funktioniert, wie man bei Google etwas eingibt.
Der Fortschritt ist heute so rasant, dass sich jeden Monat, ja sogar jeden Tag etwas Neues entwickelt und erfunden wird.
Wir Jugendlichen sind meistens noch auf dem Laufenden, weil wir täglich im Netz surfen und einen ständigen Austausch mit anderen über Internet haben. Ohne würden wir schnell aus der Bahn geworfen werden und könnten nicht mehr mitreden. Vielleicht ist auch gerade das unsere Motivation.

Egal, wo ich hinkomme, StudiVZ ist ein Begriff und wird stark frequentiert. Ich selbst habe mich in der 11. Klasse angemeldet, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt wohl offiziell noch eine Schülerin war. Aber dort ging scheinbar das Leben ab. Bei SchuelerVZ war es langweilig, weil die ganzen "Kleinen" noch nicht sehr aktiv waren und auch noch nicht begriffen hatten, wie man sich am besten organisiert.
Egal, um welches Treffen es geht, jeder verweist auf StudiVZ, um die weiteren Daten abzusprechen und sich schnell und einfach kurzzuschließen.
Ein anderes Medium ist MSN bzw ICQ oder Skype.
Ich habe einmal versucht, MSN zu boykottieren, indem ich es eine Woche abgeschaltet habe.
Es ging nicht.
Natürlich kann ich auch jeden meiner Freunde anrufen oder sie sogar treffen. Aber es gibt dennoch genügend Freunde oder Bekannte, die einfach auf diesem Weg nicht erreichbar sind.
Durch das Internet kann ich in kürzester Zeit alle meine Freunde erreichen und sogar 10 Unterhaltungen gleichzeitig führen, wenn es nur um Absprachen geht.

So viel zu den Möglichkeiten der heutigen Jugend.

Ich vermute, dass man all das bereits auch unter den "Erwachsenen" weiß. In Schulen jedoch wird nichts davon umgesetzt.
Ich habe seit zwei Jahren ein Handy mit Internetanschluss und kann jederzeit in wenigen Minuten bei Google etwas suchen oder schnell meine Mails checken.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sehr viele Lehrer teilweise als Unterrichtsmaterialien Wikipedia-Seiten nutzen und mehr oder weniger unverändert an uns Schüler weitergeben oder gar als Lesematerial austeilen.
Das jedoch ist nicht der Sinn des Internets. Das nenne ich eher Papierverschwendung.
Jede Drittklässler kann mittlerweile bei Wikipedia das gewünschte Thema eingeben und sich die Seiten dazu durchlesen. Das sollte eine Hilfe sein, aber nicht die Unterrichtsstunde bestimmten bzw ausfüllen.
Der Unterricht sollte aus Austausch, Feedback und neuen Ideen bestehen. Das Internet dient dabei nur der Erarbeitung von Hintergrundwissen und Infos.
Ein Manko ist beispielsweise, dass es bisher nicht anerkannt ist, im Unterricht mit einem internetfähigen Handy etwas nachzuschlagen. Ich habe mich nie getraut, Wikipedia während des Unterrichts zu nutzen. Und wenn ich es tat, dann nur, um für mich allein etwas zu erfahren, nicht aber, es mit der Klasse zu teilen, weil ich Angst vor dem Lehrer hatte, der mir dann vorwerfen würde, ich hätte während der Stunde das Handy benutzt, was ja auch der Fall war.
Und so ist eine eventuell wichtige Information verloren gegangen, weil wir an einem Punkt nicht weitergemacht haben, obwohl das Wissen da gewesen wäre.
Das Internet und das breite Wissen, das wir dort zur Verfügung haben, wird im Unterricht und in Schulen nur geringfügig genutzt. Immer noch ist man skeptisch und verlässt sich lieber auf veraltete Bücher, statt auf das sich immer wandelnde und anpassende Internet.

Noch immer besteht kein Austausch zwischen Schülern und Lehrern.
Gibt es eine Schule, die ein Stunden-Feedback der Schüler an ihren Lehrer zulässt oder ermöglicht?
Wenn nein, warum nicht?
Haben Lehrer Angst vor Kritik? Haben sie Angst davor, dass ihre Lehrmethoden an die Öffentlichkeit geraten und evtl. für uneffektiv bewertet werden?
Wieso gibt es noch immer so viele Lehrer, die sich komplett gegen die Nutzung des Internets wehren?

Meine Eltern waren beide längere Zeit Lehrer, jedoch vor 20 Jahren oder so. Sie kamen noch nicht so sehr in den Konflikt mit all diesen neuen Techniken.
Doch beiden waren in einem sehr fortschrittlichen Internat in Dänemark beschäftigt. Dort waren bereits vor 20 Jahren Computer vollkommen in den Unterricht integriert. Der Unterricht fand sogar am Pc statt!
Dort gab es Portale, auf denen man Matheaufgaben runterladen und lösen konnte.
Die Ergebnisse wurden dann dem Lehrer geschickt. War etwas falsch, wurde es einfach wiederholt. Es ging nicht um bestanden oder durchgefallen. Es ging auch nicht darum, pro Tag so und so viele Aufgaben zu lösen. Es wurde den Schülern überlassen, wann sie die Aufgaben machten. Hauptsache am Ende des Monats waren alle einmal bearbeitet.
Für diese Arbeit standen ganze Klassenräume gefüllt mit Computern zur Verfügung, wo jeder rein konnte, wann er wollte. Die Schüler konnten sich auch untereinander helfen. Alle Jahrgänge waren zu jeder Zeit im Raum vertreten. Die Schuüler mussten nicht zu einer bestimmten Uhrzeit erscheinen, sondern lernten dann, wenn sie ausgeschlafen waren und Lust hatten.
Man könnte meinen, dass dann wohlmöglich gar keiner mehr kam, denn wer hat schon Lust aufs Lernen?!
Aber dies ist ein Irrglaube. Die Schüler kamen und hatten sogar Spaß am Lernen und Aufgaben rechnen.
Ich wähle das Beispiel Mathe, weil ja gerade dies ein Fach ist, das wohl von einem Großteil der Schüler gehasst wird.
In Dänemark haben auch viele Schüler komplett von zu Hause gelernt. Alles per Video-Botschaften, Lehrmaterialien, auf die man jederzeit zurückgreifen konnte und dem Austausch per Forum oder Chat mit anderen Schülern.
Durch bereits gelöste Aufgaben, die in einem Portal zur Verfügung stehen, kann jeder folgende Schüler lernen.
Wieso soll jeder Schüler alles wieder von vorne erlernen? Warum können wir das Wissen der vorigen Generationen bzw vorigen Jahrgänge nicht ebenso nutzen? Aber wir fangen lieber in jedem Jahrgang am Anfang an, obwohl wahrscheinlich jeder Jahrgang wieder dieselben Probleme mit Geometrie oder Analysis hat. Leider weiß nur keiner, welche geniale Frage der Schüler aus dem Jahrgang über mir gestellt hat und welche Antwort er bekam. Ich muss selbst wieder auf diese geniale Frage kommen. Vielleicht aber komme ich nie darauf und bleibe auf meiner Wissensebene stecken.
Es geht also viel Wissen in den Tiefen der leeren und kalten Klassenräume Deutschlands verloren.
Wir regen uns über die zu hohen Schülerzahlen auf, machen aber nichts dagegen.
Durch das Internet könnte mehreren Schülern auf einmal geholfen werden.
Einer stellt eine Frage, der Lehrer erklärt es ihm und die anderen können es gleichzeitig sehen und ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen. Normalerweise kann ein Lehrer immer nur einem Schüler persönlich eine Frage beantworten. Die anderen sitzen am Ende des Klassenraumes und bekommen davon nichts mit. Wahrscheinlich kann er sogar dieselbe Frage fünf verschiedenen Kindern erklären und damit eine ganze Stunde verbringen, weil die Schüler nicht die Möglichkeit haben, die Antwort, die der andere bereits kam, ebenfalls zu hören.

Ich fordere also, mehr positive Nutzung des Internets und der heutigen Technik in Schulen. Dazu gehört natürlich auch eine Förderung von sozial bzw. finanziell benachteiligten Kindern.
Auch wenn dies einige Kosten verursachen würde, wäre das Resultat meiner Meinung eine enorme Wissenssteigerung und somit mehr Abiturienten, mehr Studenten und mehr Akademiker aus allen Schichten.

Ich hoffe, ich habe jetzt niemanden mit diesem langen Bericht überfordert, aber da ich ganz neu hier bin, musste ich all das erst einmal loswerden. Bitte verzeiht mir..

Liebe Grüße
Leonie

am 09.11.2008 von Leonie Schlick bearbeitet.

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